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"Halt! Daraus kann man was machen."

Ein Gespräch mit dem Unternehmer und Querdenker Ernst Stibl über Digitalisierung im Trägheitsmoment der Versicherungsbranche

 

Ernst Stibl, 73, ist einer von den Erfolgreichen der Gegenwart. Als ursprünglich gelernter KFZ-Mechaniker (und Motorenthusiast) ist er heute Eigentümer und Geschäftsführer eines der größten Sachverständigenbüros Österreichs. Ausdauer, ein ausgeprägter Visionsgeist sowie ein intuitives Gespür für Entwicklungstrends dürften unter anderem jene Eigenschaften sein, die ihm auf diesem Weg hilfreiche Gefährten waren. Stibl mag Visionen, er nennt sie „Brücken in die Zukunft“.

2020 05 04 stibl digitalisierung portrait blogSein Weg in groben Zügen – in den 70ern verlässt Ernst Stibl die KFZ-Werkstätte und wechselt als Sachverständiger in die Versicherungsbranche, nachdem Brancheninsider ihn von seinem Potenzial überzeugten. Ein gutes Jahrzehnt später, 1988, gründet er sein eigenes Sachverständigenbüro mit Sitz in seinem Heimatort Lunz am See. Das Unternehmen wächst schnell. Sehr schnell. Heute gehört es mit über 150 Mitarbeitern im Bereich KFZ und Elementar inzwischen zu den Leadern in der Branche und im deutschsprachigen Raum.  

Ernst Stibl hat Pläne. Seit Jahren verfolgt er mit Interesse die Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung und möchte diese nutzen, um sowohl im eigenen Unternehmen als auch in der Versicherungsbranche neue Akzente zu setzen. Wie genau, erfahren wir in einem persönlichen Gespräch.

Es ist ca. 6 Jahre her, es war die Zeit, als die meisten begannen, über Daten zu reden und Ernst Stibl hatte folgenden Gedanken: Dem Unternehmen steht eine enorme Menge von Daten zur Verfügung. Stibl suchte nach einer Lösung, wie diese Daten möglichst sinnvoll gesammelt werden können, sodass für alle Prozessbeteiligten, das sind die Kunden, große und kleine Versicherungen, die Sachverständigen, das Supporting-Team, die Entscheidungsträger, ein maximaler Proof of Business erreicht werden kann.

Er führte ein virtuelles IT-Schadensprüfungs-Portal ein, über das die gesamte Abwicklung des Prozesses zur Schadensprüfung erfolgen sollte und somit sämtliche Versicherungsdaten in gebündelter Form gesammelt werden. Mit dem Portal verschaffte sich Stibl in Folge nicht nur einen beachtlichen Vorsprung gegenüber anderen Sachverständigenbüros, sondern er legte damit auch den Grundstein für einen gesamtintegrierten Datenpool. Bald spürte Stibl aber, will man in der Versicherungsbranche Schrittmacher sein, dass auch Geschwindigkeit und Effizienz eine Rolle spielen. Das Unternehmen digitalisierte den kompletten Posteingangsprozess, sodass aus verschiedenen unstrukturierten Eingangsdokumenten ein teilautomatisierter Datenstream erzeugt wurde. Dies ermöglichte neben einer Produktivitätssteigerung die Generierung weiterer Datenquellen. Immer mehr Daten standen dem Unternehmen nun auf Knopfdruck zur Verfügung.

2018 lernte Stibl das Digitalisierungsunternehmen the tean® kennen und tauchte gemeinsam mit dem Technologiepartner in die Welt der Künstlichen Intelligenz ein.

2020 05 04 stibl digitalisierung robot blogJACK THE CHECKER wurde geboren. JACK ist ein kognitiver Robot für die nahezu vollautomatisierte Prüfung von Schadensfällen. JACK erkennt Zusammenhänge in den Daten, checkt die Schadensfälle auf Plausibilität und Unregelmäßigkeiten, erhöht den Durchsatz der geprüften Schadensfälle und sorgt für eine objektive Entscheidungsunterstützung. Was JACK ebenso ermöglicht, ist ein valider Kostenvergleich von Schadenpositionen. Stibl ist nun Besitzer eines lernenden Systems, das aus tausenden Prüfungen unterschiedlichste Daten heranzieht und Muster und Zusammenhänge erkennt. Für die Mitarbeiter von Stibl ist das System eine gelungene Integration in die organisatorischen Abläufe. Die oft zeitintensiven Routineprüfungen erfolgen durch JACK, während das Team komplexe Aufgabenstellungen manövriert. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass das Unternehmen damit inzwischen auch neue Marktzugänge wie beispielsweise Unternehmen mit Flotten- und Fuhrparkmanagement erreicht.

Ans Ausruhen denkt Ernst Stibl noch lange nicht. Gemeinsam mit the tean® soll in der Versicherungsbranche und vor allem für die Versicherungsbranche das digitale Business mit neuen Datenservices versorgt werden. Eine mutige Angelegenheit mit durchaus disruptiven Anprüchen in einem Branchenumfeld mit vielen Entscheidungsträgern. Wie das Vorhaben genau aussehen wird, verrät Ernst Stibl derzeit noch in groben Zügen, aber so viel darf verraten werden: Die Zunahme der Komplexität und Heterogenität der Datenzugänge stellt Versicherungen, Flottenbetreiber, Immobilienverwaltungen u. v. m. vor neue Herausforderungen. Eine digitale Plattform ist in Vorbereitung, über die Unternehmen in Zukunft die Abwicklung ihrer Schadens- und Wartungsprozesse auf Basis selbstlernender Systeme automatisiert abwickeln können. ROCKET, so der ambitionierte Arbeitstitel des zu entwickelnden Systems, soll für die Kunden intelligent, effizient, transparent, objektivierbar und vor allem leistbar und fair arbeiten. Fair bedeutet, dass viele Versicherungen derzeit Schadensfälle aufgrund der hohen Anzahl und aus Kosten- und Zeitgründen nicht mehr in ihrer Gesamtheit prüfen können. ROCKET ermöglicht die Bearbeitung ALLER Schadensfälle und hiermit auch Fairness im Prüfprozess. Eine erste Pilot-Anwendung ist für 2021 geplant.

Was das Entwicklungsteam angeht, weiß Ernst Stibl um die Notwendigkeit einer ausgewogenen Kompetenzvielfalt, um möglichst erfolgreich durch den agilen Gestaltungsprozess zu navigieren. Ausgewogen vor allem auch im Hinblick auf ein kreatives Wechselspiel von Dynamik und Stabilität, eine konsequente und kontinuierliche Kommunikation mit den relevanten internen und externen Stakeholdern sowie auch den Mut, auch mal Abweichungen in Kauf zu nehmen. Abweichungen sieht Stibl generell als Motor für den Lern- und Veränderungsprozess des Unternehmens. 

Apropos Motor. Der Motor als solcher und alles, was ihn umgibt, hat Stibl immer schon durch Beruf und Leben begleitet. War er einst das Herzstück seiner technischen Expertise als KFZ-Mechaniker, klopft dieses heute in unterschiedlichsten Frequenzen in der Brust seiner ausgewählten Oldtimerflotte. Damals wie heute stets mit dem gleichen Anspruch, möglichst dauerhaft zu leisten. Die Ausdauer ist es, die Ernst Stibl als eine seiner Kerneigenschaften sieht und die ihn in seinen zahlreichen Marathonläufen körperlich und geistig auch immer wieder herausfordern darf. Er weiß – Ausdauer ist eine Tochter der Kraft und Widerstände sind letzten Endes Quelle schöpferischer Möglichkeiten.

Im Hinblick auf die Corona-Krise, die Menschen, ihre Gesundheit und die Wirtschaft auf eine außerordentliche Belastungsprobe stellt, erzählt Stibl von den getroffenen Schutzregelungen im eigenen Unternehmen und ergänzt: „Die Krise führt uns allen klar vor Augen, dass ein akuter und auch anhaltender Ausfall der kostbaren Ressource Mensch immer möglich ist. Vorhaben wie ROCKET ermöglichen, dass intelligente künstliche Systeme in der Lage sind, Routineprozesse aufrechtzuerhalten und Einbrüche in Prozessketten entsprechend abzufedern.“

Zu ROCKET fasst er abschließend zusammen: „Wir leben in einer vernetzten Welt und in einer Welt der Daten. Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts und Digitalisierung bedeutet auch Vernetzung. Wir haben uns entschieden, die Daten nutzen zu wollen und uns mit ROCKET mit dem Versicherungsmarkt zu vernetzen. Digital ist real.“ 

 

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